Eine Hand hypt die andere: Stellungnahmen

Anlage zum Artikel "Eine Hand hypt die andere" vom 17. Februar 2015: meine Fragen an Andreas Platthaus (FAZ) und Lars von Törne (Tagesspiegel) und die Antworten im Wortlaut.

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Andreas Platthaus:

FRISCH: 1. Ist es üblich, dass Autoren in der FAZ Werke rezensieren, an deren Entstehung sie selbst beteiligt waren? 2. Wurde die Tatsache, dass der Autor der Rezension von Riad Sattoufs Der Araber von morgen gleichzeitig der Übersetzer ist, in der Redaktion vor oder nach der Veröffentlichung der Rezension thematisiert? 3. Ist für Deine Übersetzertätigkeit für den Knaus Verlag die Zahlung eines Absatzhonorars für Riad Sattoufs Der Araber von morgen vereinbart?

PLATTHAUS: Die Frage erübrigt sich, denn es ist keine Rezension. Wie es in der Zeitung steht: "Vorabdruck". Das ist bei eigenen Arbeiten von Redakteuren in der Tat üblich (Beispiele dürften Dir dutzendweise bekannt sein, wenn Du unsere Zeitung lesen solltest). Und für wie naiv hältst Du mich oder meine Kollegen? Natürlich habe ich Wochen vorher mit Herausgeber und Feuilletonchef darüber gesprochen. Ich kann doch nicht ins Blatt setzen, was mir gefällt. Mir scheint aber leider, daß Dir nicht klar ist, was Du da überhaupt gelesen hast. Für die Übersetzung hatte ich ein Fixhonorar vereinbart, weil die üblichen Manuskript-Seitensätze einen Witzbetrag ergeben hätten (das generelle Problem bei Comicübersetzungen).

FRISCH: Kam das Arrangement des Vorabdrucks in diesem Fall auf Initiative des Knaus Verlags zustande oder auf Deine Initiative? Und wurde die Vereinbarung getroffen, bevor Du als Übersetzer des Bandes im Gespräch warst oder erst danach?

PLATTHAUS: Knaus Verlag hatte es vorgeschlagen, und da war der deutsche Text schon fertig. Ich habe den Vorschlag dann an unsere Verantwortlichen weitergeleitet unter Hinweis auf meine Übersetzung, und es gab Zustimmung.

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Lars von Törne:

FRISCH: 1. Ist es beim Tagesspiegel üblich, dass Autoren Werke von Verlagen besprechen, mit denen sie selbst in einem wirtschaftlichen Verhältnis stehen?

VON TÖRNE: Nein, üblich nicht. Es kann allerdings mal vorkommen. Dann muss ich abwägen, wieweit ich das als Redakteur für vertretbar halte und wieweit im konkreten Fall wirklich ein Interessenkonflikt vorliegt. Wenngleich ich versuche, das zu vermeiden, um eben gar nicht erst den Anschein von möglichen Interessenkonflikten entstehen zu lassen. So weiß ich bei einigen unserer freien Autoren, dass sie gelegentlich für bestimmte Verlage arbeiten – und beauftrage sie in der Regel nur mit Rezensionen zu Titeln aus anderen Verlagen. Und ich beauftrage bei Artikeln über Veranstaltungen, an denen ich beteiligt bin (zum Beispiel als Mitglied der Max-und-Moritz-Preis-Jury beim Comicsalon Erlangen) in der Regel freie Autoren, um über diese Veranstaltungen für uns zu schreiben, sodass auch hier mögliche Interessenkonflikte im Vorfeld minimiert werden. Ausnahmen kommen aber nichtsdestotrotz vor – so haben wir zum Beispiel mal ein uns vom Verlag Cross Cult kostenfrei angebotenes Interview mit Robert Kirkman, das mir inhaltlich interessant erschien, auf unseren Onlineseiten veröffentlicht, welches Du (soweit ich mich erinnere, in Deiner Rolle als Übersetzer) für den deutschen Verlag der Reihe geführt hast – das haben wir in dem Fall dann aber auch klar dazugeschrieben. Diese Ausnahme war in dem Fall der Tatsache geschuldet, dass Kirkman zu der Zeit für ein von uns geführtes, verlagsunabhängiges Interview nicht zur Verfügung gestanden hätte. Für unsere Wahl zu den besten Comics des Jahres, bei der die Jury ja in diesem Jahr zum Teil aus Comiczeichner/innen und Autor/innen besteht, gelten übrigens folgende Spielregeln, die in dem Kontext interessant sein dürften: Transparenz, wer für welche Verlage wie tätig ist/war und Verbot zur Nominierung von Titeln, an denen man direkt mitgearbeitet hat. Ähnliche Regeln hatten wir in der Jury auch im Vorjahr schon eingeführt. Achja, und dann gibt es hin und wieder Fälle, in denen ich oder andere Tagesspiegel-Redakteure unseren Lesern bestimmte Autoren oder Werke näherbringen, die im Tagesspiegel veröffentlicht werden oder wurden. So habe ich zum Beispiel im vergangenen Jahr unseren Lesern die Zeichnerin und Autorin Olivia Vieweg in einem Artikel vorgestellt, weil kurz darauf ihr neuer vierwöchentlicher Strip auf unseren Sonntagsseiten begann. So wie wir es auch bei anderen bevorstehenden Serien oder besonderen  Veröffentlichungen im Tagesspiegel machen, wenn wir sie unseren Lesern ankündigen.

FRISCH: 2. In der FAZ veröffentlichte Redakteur Andreas Platthaus, kommissarischer Leiter der Literaturabteilung, am 9.2.2015 die Rezension eines Comic-Bandes, für den er selbst als Übersetzer tätig war. Wäre die Veröffentlichung einer solchen Rezension durch den Übersetzer auch im Tagesspiegel denkbar gewesen?

VON TÖRNE: Denkbar ist vieles. Andreas Platthaus hat ja in seinem Text deutlich gemacht, dass er ihn als Übersetzer des Buches schreibt – mangelnde Transparenz kann man ihm also nicht vorwerfen. Aber ich hätte in dem Fall als Redakteur versucht, den Band durch einen anderen Rezensenten besprechen zu lassen. Auch deswegen, weil zu einer Würdigung des Buches ja idealerweise auch die Würdigung der Übersetzungsleistung gehört – und das kann eine außen stehende Person wahrscheinlich unabhängiger bewerten als der Übersetzer selbst. Wenn allerdings ein Artikel sich mal explizit mit der Arbeit als Übersetzer beschäftigt und von einem Übersetzer geschrieben ist, wäre es für mich okay, wenn er oder sie auch Beispiele aus der eigenen Arbeit nimmt.

FRISCH: 3. War Dir vor der Veröffentlichung der Rezension des Comics Saint Young Men von Egmont Manga am 27. Januar 2015 bekannt, dass Michel Decomain, der Autor der Rezension, im letzten Jahr selbst einen Comic bei Egmont Manga veröffentlicht hat?

VON TÖRNE: Ja – ich habe diesen Manga damals auch kurz für unsere gedruckte Ausgabe rezensiert und fand ihn ganz gelungen. Ich sehe bezüglich der Rezension von Saint Young Men aber keinen problematischen Interessenkonflikt, da unser Autor ja mit der Produktion des konkreten Titels nichts zu tun hatte. Zudem ist der gelegentlich für uns schreibende Autor in der Vergangenheit bereits sehr kritisch mit Verlagen ins Gericht gegangen, die Arbeiten von ihm veröffentlichen. Auch kenne ich ihn aus verschiedenen persönlichen Begegnungen als jemand, der mit seiner kritischen Meinung nicht hinterm Berg hält, egal bei welchem Verlag das jeweilige Werk erschienen ist. Von daher habe ich ihm zugetraut, das vorliegende Werk als Manga-Experte sachlich angemessen zu beurteilen. Da Michel Decomain ja in seiner Rolle als Manga-Autor 2015 Mitglied unserer Comics-des-Jahres-Jury ist, gilt in dem Kontext natürlich auch für ihn die Regel: Transparenz, wer für welche Verlage wie tätig ist/war und Verbot zur Nominierung von Titeln, an denen man direkt mitgearbeitet hat.

FRISCH: 4. Der Tagesspiegel hat in den vergangenen Jahren mehrmals über die Comic-Reihe Das UPgrade berichtet, die damals beim Zitty-Verlag erschien, welcher bis zum 1. April 2014 wiederum zur Tagesspiegel-Gruppe gehörte. Personelle Verbindungen bestanden dabei etwa durch Zitty-Redakteur Lutz Göllner, der auch als Autor für den Tagesspiegel und insbesondere für dessen Comic-Sparte in Erscheinung tritt. Waren diese Verbindungen zu irgendeinem Zeitpunkt Thema in der Redaktion?

VON TÖRNE: Über diesen Titel haben bei uns unter anderem die Autoren Christian Endres, Oliver Ristau und ich geschrieben. Lutz Göllner nach meiner Erinnerung nicht. Entscheidend für diese Berichte war nicht, dass die Reihe im Zitty-Verlag erschien, sondern dass Das UPgrade m.E. zu einer der herausragenden deutschen Comicreihen gehört – egal, wo sie erscheint. Mein Beitrag über die Reihe erschien, als die Zitty schon nicht mehr Teil der Tagesspiegel-Gruppe war und thematisierte explizit die ehemalige Verbindung des Tagesspiegels zur Serie – und die sich daraus ergebenden Probleme für deren Fortsetzung. Alle drei Artikel waren m.E. sachlich fundiert und gerade im Fall der ersten Rezension durch Christan Endres auch mit skeptischen Anmerkungen versehen, sodass auch sie aus meiner Sicht nicht als Beispiel zur Illustration der angesprochenen Interessenkonflikte taugen.